AUSGESETZT

Couch_2
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Man verlässt morgens das Haus, und da, wo am vorigen Abend noch nichts weiter als nichts war, steht plötzlich eine Couch. Nur diese einsame Couch schmiegt sich an die Hauswand. Fast ist man geneigt ihr das abgewetzte Velour zu streicheln und sie zu fragen:„Ja, Mensch Couch wo kommst du denn her? Wo ist denn dein Herrchen?”

Stumm blickt sie dich an. Doch du glaubst ein leises Wimmern zu hören. „Verjagt hat er mich!” „Was? Ja, gibts denn sowas?” Ja, sowas gibts. Irgendwann tauchen sie auf. Die Couch, der Bürodrehstuhl, der Ölofen, der Fernseher. Stehen einfach rum. Melancholische Stillleben voller Poesie. Abgründe des Seins und Designs. Dabei erweisen sich Sitzmöbel als ausdruckstärkste Darsteller dieser Zufallsdramen. Kein verirrtes Bügelbrett, kein Fernseher, kein Regal guckt einsamer als ein herrenloser Bürostuhl. Aber alle haben sie etwas zu erzählen. Ich habe es nur aufgeschrieben. Demnächst mehr.

Michael Leidenheimer

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