Hanauer Landstraße°4

Das Original II

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Die Geschäftsführerin von Gref-Völsings, Friederike Satvary, ist die Ur-Enkelin des Gründers Karl Gref. Unser Gespräch ist ausgiebig und ich erfahre viel über Rindswürste, geschichtliches, den Familienbetrieb und die Veränderungen der jüngeren Zeit an der Hanauer Landstraße. Völlig unerwartet enthüllt sich sogar eine interessante Verknüpfung zu einem schon besuchten Schauplatz…

Metzger, bleib bei deinen Würsten

Seit 1913 produziert und verkauft Gref-Völsing die Rindswurst und andere fleischliche Köstlichkeiten in dem Haus auf der Hanauer Landstraße. Die Frage nach den Veränderungen muss ich gar nicht erst stellen: Früher wäre die Welt hier noch in Ordnung gewesen, findet Frau Satvary.

Die Veränderungen ließen sich bereits an der Wurst-Kundschaft erkennen, meint sie: Die wäre bei Gref-Völsings schon immer angenehm durchgemischt – von Blaumann bis Krawattenträger. Wurde traditionell die Worscht wie ne Worscht gegessen, nämlich mit den Fingern, würde nun vermehrt nach Serviette und Besteckt verlangt.

Das im Beitrag Hanauer Landstraße°1 beschriebene Bauprojekt grenzt direkt an die Rückseite der kleinen Wurstmanufaktur. Solch viel-beweihräucherte Aufwertungen des Standorts lösen auch bei Frau Satvary nicht nur Begeisterungswürste aus. Nur zufällig erfuhr man bei Gref-Völsings, dass den potenziellen Loftkäufern nicht beigebracht wird, dass ihre zukünftigen Nachbarn regelmäßig um 5:30 morgens mit Wurschteln und Räuchern beginnen – inklusive intensiver Olfaktorik. Jetzt wird mir auch klar, was es mit dem großen Transparent an der seitlichen Hauswand auf sich hat…

Wie am Hafen, befürchtet man schlicht und einfach Auseinandersetzungen mit den neuen Anwohnern und weitere Einschränkungen für die Wurstproduktion. Denn schon heute müssen die armen Würstchen bereits am Vorabend zum Räuchern. Das bedeutet mindestens 6 Stunden länger rumhängen – und das geht den Würstchen an die Substanz. Die Wurstchefin, die hier an der Hanauer geboren und aufgewachsen ist, steht den Umbrüchen im Ostend kritisch gegenüber. Angesichts alldem, was hier über die Jahrzehnte gewachsen ist, empfindet sie die vielen Umbauten als gewaltsamen Eingriff. Aber sicher ist, dass sich in den nächsten Jahren nur noch mehr verändern wird. Friss oder stirb.

Um aber doch noch mal bei den Würsten zu bleiben: In der nächsten Folge dürft ihr euch auf 100% Rindswurst freuen.

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